Scope 3 und dessen Rolle in der GHG-Bilanzierung

Die GHG-Bilanzierung und Scope 3
Kurzfassung: Scope 1, 2 und 3 auf einen Blick
Für die Treibhausgasbilanzierung eines Unternehmens werden 3 Scopes betrachtet. Neben den direkten Scope 1 Emissionen umfassen Scope 2 die indirekten Emissionen aus der Energiebeschaffung. Scope 3 beinhaltet alle weiteren indirekten Treibhausgasemissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese machen in vielen Branchen über 80 % der Gesamtemissionen aus. Damit ist Scope 3 der entscheidende Hebel für Klimastrategien, Investorenanforderungen und die CSRD‑Berichterstattung.
Die Berechnung erfolgt in fünf Schritten:
- Organisationsgrenzen & grundlegenden Approach definieren
- Wesentliche Kategorien identifizieren (z. B. eingekaufte Güter, Kapitalgüter, Mieterenergie, Reisen) & deren Systemgrenzenfestlegen.
- Aktivitätsdaten erheben (Mengen, Ausgaben oder Lieferantendaten).
- Emissionsfaktoren auswählen (z. B. DEFRA, ecoinvent, EXIOBASE).
- Emissionen berechnen & dokumentieren – inklusive klarer Annahmen und Datenqualitätsbewertung.
Unternehmen nutzen hierfür je nach Qualitätsambition und Datenverfügbarkeit „Spend‑based“, Durchschnittsdaten oder Primärdaten; oft ist eine Hybridmethode am praktikabelsten.
Eine korrekte Abgrenzung der Organisations- und Systemgrenzen entscheidet, ob Emissionen in Scope 1/2 oder Scope 3 fallen, was eine häufige Fehlerquelle ist. Diverse Tools können bei Automatisierung und Reporting unterstützen.
Fazit: Insbesondere Scope 3 ist komplex, aber essenziell für wirksame Dekarbonisierung und glaubwürdiges ESG‑Reporting. Unternehmen, die Scope 3 früh strukturiert angehen, sichern sich klare Vorteile in Finanzierung, Strategie und Wettbewerbsfähigkeit.
Scope 3 richtig verstehen und berechnen
Scope 3 ist für viele Unternehmen inzwischen der entscheidende Faktor ihrer gesamten CO₂‑Bilanz. Während Scope 1 und Scope 2 bereits gut etabliert sind, stellt Scope 3 die größte Herausforderung dar aber auch gleichzeitig den größten Hebel, wenn es um Dekarbonisierung, Investorenanforderungen und regulatorische Vorgaben wie die CSRD geht.
Dieser Blogartikel erklärt, warum Scope‑3‑Emissionen für nahezu alle Unternehmen unverzichtbar sind, wie sie korrekt berechnet werden und wo die größten Potenziale liegen.
Was ist Scope 3 und warum ist die Kategorie so wichtig?
Scope 3 umfasst alle indirekten Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Es beginnt bei den vorgelagerten Aktivitäten wie der Herstellung eingekaufter Waren und deren Transport und endet bei den nachgelagerten Aktivitäten wie der Nutzung verkaufter Produkte bis hin zu Entsorgung, Pendeln oder Investitionen.
In vielen Branchen machen Scope‑3‑Emissionen mehr als 80 % der Gesamtbilanz aus. Damit beeinflusst Scope 3 die gesamte Klimastrategie:
- Investoren & Banken verlangen zunehmend transparente Scope‑3‑Daten.
- CSRD & ESRS machen Scope 3 zum verpflichtenden Bestandteil.
- Nach VSME kann freiwillig auch Scope 3 im Comprehensive Modul berichtet werden.
- Lieferketten werden zu zentralen Akteuren der Dekarbonisierung.
- Net‑Zero‑Pfad ohne Scope 3? Nicht möglich.
Unternehmen, die Scope‑3‑Emissionen im Griff haben, treffen bessere Investitionsentscheidungen, senken Risiken und stärken ihre Wettbewerbsposition.
Scope 1, Scope 2 und Scope 3 im Überblick
Um alle THG-Emissionen sauber einzuordnen, braucht es eine klare Abgrenzung, wobei diese je nach gewähltem Approach variieren kann:
Scope 1: direkte Emissionen
- eigene Heizkessel
- Firmenfahrzeuge
- Kältemittelverluste
Scope 2: indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie
- Strom
- Fernwärme / Fernkälte
- marktbasierte vs. standortbasierte Faktoren
Scope 3: alle übrigen indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette
15 Kategorien, unterteilt in 8 „Upstream“ und 7 „Downstream“ Kategorien.
Beispiele der Kategorien:
- Eingekaufte Güter & Dienstleistungen (3.1)
- Kapitalgüter (3.2)
- Geschäftsreisen (3.6)
- Pendeln (3.7)
- Nutzung verkaufter Produkte (3.11)
- Vermietete Anlagen (3.13)
Wie man Scope 3 richtig berechnet: Der 4 Schritte Prozess
Die korrekte Berechnung von den jeweiligen Emissionen erfolgt nach dem GHG-Protokoll einem klar definierten Vorgehen.
1. Wesentliche Kategorien identifizieren
Die vor- und nachgelagerten Emissionen können (müssen aber nicht) alle 15 Kategorien enthalten.
Wichtig ist eine nachvollziehbare Bewertung und Begründung, beispielsweise anhand von:
- Emissionsmenge
- Einflussmöglichkeiten des Unternehmens
- Branchenvergleichen
- Stakeholder Erwartungen
- Datenverfügbarkeit
Durch diese Wesentlichkeitsanalyse wird Scope 3 handhabbar und steuerbar.
Kostenlose Vorlage herunterladen
Wir haben eine Excel**-Vorlage der Scope 3 Wesentlichkeitsanalyse** erstellt, die du direkt verwenden kannst. Die Vorlage umfasst das Bewerten der vom GHG-Protokoll empfohlenen Kriterien zur Bestimmung der wesentlichen Scope 3 Kategorien. In der Vorlage lassen sich vollständig die Bewertungen der Kriterien und deren Gewichtung anpassen.
Kostenlose Vorlage Herunterladen
2. Aktivitätsdaten erheben
Je Scope‑3‑Kategorie und Datenverfügbarkeit werden unterschiedliche Datentypen benötigt:
- Mengen (z. B. t Beton, kWh Wärme, km Reisen)
- finanzielle Ausgaben (Spend‑based)
- lieferantenspezifische Primärdaten
Je genauer die Daten, desto präziser die Scope‑3‑Ergebnisse. Dementsprechend kann ein hohes Qualitätsniveau nur mit validen Datengrundlagen erreicht werden.
3. Emissionsfaktoren auswählen
Relevante Quellen:
- GHG-Protokoll (IPCC)
- ecoinvent
- ProBas
- GEMIS etc.
Scope‑3‑Emissionen dürfen nur mit transparent dokumentierten Faktoren berechnet werden, was ein wichtiges Prüfmerkmal für Auditoren und Investoren ist. Wichtig zu beachten ist, dass die Datenquellen der Emissionsfaktoren über die Zeit nicht geändert werden sollten, um ein konsistentes Ergebnis zu gewährleisten. Sollte sich doch einmal etwas ändern, ist hier eine transparente Dokumentation unerlässlich.
4. Emissionen berechnen & dokumentieren
Die generelle Formel lautet wie folgt:
Emissionen (tCO₂e) = Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor
Wichtig:
- Annahmen beschreiben
- Unsicherheiten offenlegen
- Datenqualität von A–D klassifizieren
- konsistente Methodik beibehalten
Diese Dokumentation ist für Scope 3 essenziell, um Prüfungen nach CSRD/ESRS zu bestehen.
Berechnungsmethoden: Welcher Ansatz für Scope 3 sinnvoll ist
Je nach Kategorie oder auch Datenverfügbarkeit kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz:
1. Spend Based (Top Down)
Ideal für Dienstleister und fehlende Primärdaten. Diese Methode ist gut geeignet für den Einstieg, hat aber den Nachteil geringerer Genauigkeit. Sie kann jedoch für ein grobes Screening hilfreich sein.
2. Durchschnittsdaten (Average Data)
Für Transport, generische Materialien und frühe Screening‑Phasen. Dieser Datentyp bietet ein solides Mittelmaß.
3. Lieferantenspezifische Daten (Bottom Up)
Der Goldstandard im Scope‑3‑Reporting. Dieser Datentyp bietet also die höchste Datenqualität, was besonders relevant für Emissions‑Hotspots ist.
4. Hybridmethode
Die realistischste Option für Scope‑3‑Einsteiger.
Beispiel: Primärdaten für Stahl/Beton + Durchschnittswerte für Transport + Spend‑based für Dienstleistungen.
System- und Organisationsgrenzen: Warum sie Scope 3 beeinflussen
Nicht nur Scope 3 wird besonders bei Energieverbräuchen häufig falsch zugeordnet, sondern auch Scope 1 oder 2.
Die Festlegung der Organisationsgrenzen (Equity Share, Operational Control vs. Financial Control) entscheidet darüber, ob Emissionen in Scope 1/2 oder in Scope 3 fallen.
Eine falsche Abgrenzung oder inkonsistente Methodenanwendung kann Scope 3 massiv über- oder unterbewerten.
Typische Herausforderungen bei Scope 3 und wie man sie löst
Scope-3‑Bilanzierung scheitert häufig an:
- fehlenden Lieferantendaten
- Doppelzählungen
- instabilen Baselines
- mangelnder Dokumentation
- unklaren Zuständigkeiten
Best Practice:
- klare Rollenverteilung
- dokumentierte Methoden
- jährliches Datenqualitäts-Review
- Lieferanten aktiv einbinden (Supplier‑Engagement)
- klare Nachhaltigkeitskommunikation
Scope-3-Workshop (GHG)
In diesem Workshop lernst du die Scope 3 Emissionen deines Unternehmens nach GHG Protokoll zu berechnen - inklusive Wesentlichkeitsanalyse Excel für die Scope 3 Kategorien und zahlreichen Tipps.
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Welche Tools bei der Bilanzierung helfen
Für den Einstieg:
- ecocockpit (kostenfrei, GHG-konform)
- Excel‑basierte Berechnungstools, beispielsweise vom GHG-Protokoll
Für wachsende Scope‑3‑Anforderungen:
- All-in-One ESG-Softwarelösungen
- osapiens
- Tanso
- Leadity
- weitere
- Spezialisierte Lösungen zur CO₂‑Bilanz
- PlanA
- ClimatePartner
- Global Changer
- weitere
In unserer CRS Tool-Übersicht findest du weitere Anbieter und kannst diese entsprechend nach CO2-Management-Funktionen filtern.
Wichtig: Ein Tool ersetzt nicht die Logik dahinter. Die korrekte Berechnung bleibt ein Daten‑ und Prozessprojekt.

Fazit: Warum neben Scope 1 & 2 auch Scope 3 die wichtigste Klima-Kennzahl der nächsten Jahre wird
Scope 3 ist weit mehr als eine komplizierte Zahl im Nachhaltigkeitsbericht. Als Teil der CSRD bietet die Veröffentlichung der Emissionen Wettbewerbsvorteile.
Unternehmen, die Scope‑3‑Emissionen verstehen und steuern, gewinnen:
- bessere Investitionsentscheidungen
- robustere Klimastrategien
- höhere Datenqualität in der Supply Chain
- stärkere Position bei Banken, Investoren und Kunden
Scope 3 ist eine Herausforderung aber auch eine Chance zugleich. Sie ist der Schlüssel zu jeder glaubwürdigen Dekarbonisierungsstrategie.
Benötigst du Unterstützung für dein generelles Verständnis, der konkreten Wesentlichkeitsanalyse oder bei der Berechnung der Scope 3 Kategorien? Wir bieten gerne einen individuellen Workshop an: sowohl online als auch vor Ort! Mehr Informationen findest du hier.


